Bregenzer Festspiele
West Side Story
Spiel auf dem See 2003
(wde)Das Erfolgsmusical von Leonard Bernstein auf der Seebühne in
Bregenz. In der Inszenierung von Francesca Zambello, Bühnenbild
George Tsypin, Choreographie Richard Wherlock und den Wiener
Symphonikern unter der Leitung von Wayne Marshall und David
Charles Abell. Ein besonderer Glücksfall für Bregenz und diese
Festspielsaison. Eine herausragende Synthese aller Künstler.
Tonight
Intendant Dr. Alfred Wopmann mit seinem Stiftungsrat
und den zahlreichen Mitarbeitern hatten bei der Auswahl
für das diesjährige Stück auf der Seebühne eine glückliche Hand.
Mit der Verpflichtung von führenden Künstlern aus aller Welt ist
das Musical einmal mehr ein besonders Highlight bei den sommerli-
chen Festspielen im deutschsprachigen Raum. Dr. Wopmann:
"Die Probleme, die Bernstein schon 1957 in einzigartiger Form auf
die Bühne gebracht hat, haben sich auch am Beginn eines neuen
Jahrtausends nicht grundlegend verändert. Einwanderer haben es
immer noch schwerer als der Rest der Bevölkerung."

Dr. Wopmann, der Leonard Bernstein noch persönlich in seiner Zeit
bei der Wiener Staatsoper kennen gelern hatte, spricht in seinem
Vorwort zur West Side Story von dem "Gestus der Öffnung" des
großen Komponisten und Dirigenten bei seiner Arbeit. In Tony und Maria erfülle sich das Wunder bedingungsloser, sakraler Liebe.
Diese gewollte Aussage des Komponisten, aber auch die Gegensätze
der Lebensmöglichkeiten in New York, will die diesjährige
Inszenierung der West Side Story vermitteln. "Kann Liebe die
Gegensätze, die rassistischen Vorurteile und Konflikte auslöschen,
welche Amerika und die Welt heute beherrschen? Bräuchte es nicht
viel mehr das Engagement jedes Einzelnen von uns, das zu tun, was
in seiner Macht steht, um die Welt zu ändern?"

Perspektiven eines gelungenen, dreidimensionalen Bühnenbildes von George Tsypin
Bühnenbild - Beleuchtung - Akustik

Eine besondere Beachtung dieser West Side Story muss man dem Bühnenbild von George Tsypin widmen.
Der in Russland geborene Bühnenbildner lebt seit 20 Jahren in New York. Er hat weltweit an führenden Häusern
für Oper, Musical, Film, Konzertsäle und am Broadway gearbeitet. "Mein Bühnenbild am Ufer des Bodensees,
die Zeichnungen und Entwürfe, die ich dafür angefertigt habe – alles dreht sich immer auch um New York."
Diese Atmosphäre hat Tsypin mit seinem dreidimensionalen Bühnenbild eingefangen und damit "den scharfen
Kontrast zwischen internationaler Finanzkultur und der Armut dieser Mietskasernen" verdeutlicht.

Eine grandiose Kulisse, meisterhaft interpretiert von Karl Forster

Die einzigartige Naturkulisse der Bregenzer Seebühne hat den erfahrenen Tsypin inspiriert, sein Bühnenbild in vier
Bereiche zu gliedern. Da ist zum ersten der "Wolkenkratzer", der mit 36 Meter Höhe einem 60 Grad Winkel nach
vorn zeigt. Er ist vollständig mit Glasplatten und Glasscherben bestückt . Die Konstruktion bringt es auf stattliche
160 Tonnen Gewicht. Auf dem Wolkenkratzer befinden sich 26 Glastürme. Sie symbolisieren die Skyline
von Manhattan. Die Stäbe haben eine Länge von 3,8 bis 13 Meter.

Das "Brick House" steht an der entgegengesetzten Seite der Seebühne. Die Backsteinruine, das zweite Element,
zeigt im Schatten des gläsernen Wolkenkratzers eindrucksvoll die Gegensätze der Lebensqualitäten in New York.
Dort spielen die intimeren Szenen. Das Brick House ist um die eigene Achse drehbar und zeigt so den Zuschauern
die verschiedenen Räume zum Musical. Es besteht aus 12 Tonne Stahl und 10 Tonne Holz.

Der "Drugstore" ist der Treffpunkt der Jugendlichen in
New York und ist der dritte Spielort. Es ist das Reich vom
"Doc", Freund und Beschützer von Tony. Die 12 Meter lange
und 3,5 Meter hohe Fassade kann quer über die Bühne bis hinaus
über das Wasser gezogen werden.

Die sechs "Light tubes", als vierte Einheit des Bühnenbildes, stellt,
ähnlich einer Nachtaufnahme mit Langzeitbelichtung, in die tiefe
verlaufende Verkehrsadern dar. Die Kunststoffröhren haben
einen Durchmesser von 25 cm und werden von beiden Seiten
mit Spezialscheinwerfern beleuchtet.
Die Kunststoffröhren sind 40 Meter lang.

Alle diese gelungenen Elemente werden von der Beleuchtung
der Seebühne in verzauberndes und bezauberndes
Licht gesetzt. James F. Ingalls zeichnet für das Light-Design
verantwortlich. Etwa 800 Scheinwerfer und Fluter
sind im Haus, an Beleuchtungstürmen und im Set an- bzw.
eingebaut. Ca. 1000 verschiedene Geräte haben
eine Gesamtleistung von etwa 900 kW.

Die Akustik auf der Seebühne in Bregenz ist einzigartig gelungen. Für das Sound-Design ist Wolfgang Fritz
verantwortlich. Die Bühne ist in 14 bis 20 akustische Sektoren eingeteilt. Es vermittelt den Zuhörern eine echte
Zuordnung des jeweiligen Sängers – eine beachtliche Leistung. 35 Haupt- und 9 Havariemikrofone sowie
95 fein justierte Lautsprecher mit einer Kapazität bis 175.000 Watt, sorgen für einen angenehmen Hörgenuss.

Musik - Choreographie - Akteure - Inszenierung

Der Komponist Leonard Bernstein wollte ein Musical schreiben, das eine "tragische Liebesgeschichte mit den
Mitteln und dem Stil eines Musicals erzählt". Alle dramatischen Künste - Musik - Sprache - Tanz und Szene
verbinden sich zu einem totalen Theater. Die Akteure, Schauspieler, Sänger und Tänzer vereinigen sich in
einer Person. Schon im Jahr 1957 meine er "die Geschichte der West Side Story ist keinesfalls überholt,
sie behandelt vielmehr eine erschreckend reale Situation."

Wayne Marshall als musikalischer Leiter der West Side Story erzählt "von der Kraft der Musik".
Diese Musik sei so intensiv, dass man "die Geschichte vor sich sieht, auch wenn man nur die Musik hört".
Die Komposition hilft auf ihre Weise, die "mitreißende Leidenschaft der West Side Story" zu vermitteln.
Mit den Wiener Symphonikern kann Marshall auf einen hervorragenden Klangkörper zurückgreifen,
der schon seit Beginn der Festspiele ein fester Bestandteil in Bregenz ist.
Die Hauptrollen des Musicals sind alle zwei- und dreifach besetzt. Christian Baumgärtel, Mark Tevis und
Jesper Tydén interpretieren die Rolle des Tony. Sein Gegenpart Maria wird von Marisol Montalvo
und Katja Reichert dargestellt. Riff, den Anführer der Jets, spielen Alexander Franzen und Jochen Schmidtke.
Bernardo, der Anführer der Sharks, wird von Reynaldo Rodriguez und Andreas Wolfram gesungen.

Der Kammerchor Moskau unter der Leitung von Vladimir Minin unterstützt schon seit mehreren Jahren
die Festspiele. Ihre virtuose Gesangskraft füllt spielend die Seebühne aus.

Das Spiel auf der Seebühne, perfekt in Szene gesetzt von Karl Forster

Bregenz ist, was die Choreographie betrifft, eine "sehr große Herausforderung", meint Richard Wherlock
als Verantwortlicher. Die enorme Größe der Seebühne und die vielen Darsteller machen die Arbeit nicht leicht.
Für einen Choreographen ist das aber "genial". Den "Ideen und Vorstellungen" sind fast keine Grenzen gesetzt.
Außerdem spielt die Witterung eine große Rolle. Die Arbeit ist aufregender, aber "nicht wirklich einfacher."
Er arbeitet in Bregenz mit einem international besetzten Shark- und Jet-Ensemble zusammen.

Die Kostüme von Marie-Jeanne Lecca bringen zusätzliche Farbe und auf die Bühne. Der Unterschied zwischen
den "Stadtmenschen" und den beiden rivalisierenden Gruppen um Maria und Tony sind eindrucksvoll.
Die Bayrische Theaterakademie August Everding verbindet schon seit mehreren Jahren eine enge
Zusammenarbeit mit den Festspielen, sie sind auch im Jahr 2003 wieder als Akteure dabei.
Eine Statistengruppe verkörpert die Erwachsenen und Einwohner von Manhattan.

Die Inszenierung auf der Seebühne in Bregenz von Francesca Zambello bringt alle Bereiche, die Musik,
das Bühnenbild, die Beleuchtung, die Akustik, die Choreographie, die Kostüme, die Handlung und alle Akteure
zusammen. Die "Magie von Natur und Kultur" können auf der Seebühne "auf spektakuläre Weise"
aufeinander treffen. Die Größe der Bühne macht für viele Menschen das Spiel zugänglich. Viele Zuschauer in
Bregenz haben das erstes Opernerlebnis ihres Lebens. Diese Dinge "liegen mir sehr am Herzen", meint Zambello.
7000 Besucher täglich, vor ausverkaufter Seebühne, danken den Verantwortlichen.

Diese spektakuläre und gelungene Produktion wird
auch im Jahr 2004
wieder gezeigt. Heute können und sollten Sie Karten für das große Event vorbestellen.
Auf der Homepage der Festspiele finden Sie Details der Aufführungen und
weitere Veranstaltungen. Benutzen Sie dafür den LINK unten.
Nostalgie anno 1981 - West Side Story in Bregenz
Bregenzer Festspiele
Nach Bregenz
Weitere Impressionen in Bild und Ton von der West Side Story - Ein einmaliges Erlebnis
zurüch zur Auswahl